Handlungsleitlinie Kinder- und Jugendbeteiligung

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung. Das ist in Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention gesetzlich festgelegt.

Durch den §47f der schleswig-holsteinischen Gemeindeordnung wird das zusätzlich auch für unsere Stadt geregelt: Die Stadt ist verpflichtet, Kinder und Jugendliche an ihren Planungen und Vorhaben zu beteiligen.

Um Kindern und Jugendlichen in ihrem Mitspracherecht zu unterstützen, wurde 2010 das Kinder- und Jugendbüro gegründet und 2015 der Junge Rat als eigenständige Interessensvertretung eingerichtet. 

Am 5. Juni 2019 hat der Jugendhilfeausschuss die Kieler Stadtverwaltung beauftragt, ein Konzept zur Kinder- und Jugendbeteiligung in Kiel zu erarbeiten. Dies soll in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendkommission geschehen.

Das Konzept soll an die Leitlinie zur Bürger*innenbeteiligung ergänzend anschließen und die Belange von Kindern und Jugendlichen explizit stärken.

Damit wird die Kinder- und Jugendbeteiligung in der Landeshauptstadt Kiel auf das nächste Level befördert. Alle Ämter, die auf irgendeine Art und Weise mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, werden bis zum Herbst 2021 gemeinsam eine verbindliche Leitlinie für eine noch bessere und intensivere Kinder- und Jugendbeteiligung erarbeiten.



Hier entlang zur Version mit Untertiteln

 

Kurz und knackig -
die wichtigsten Infos

  • 3. Februar 2021: Präsentation des Evaluationsberichts vor dem Jugendhilfeausschuss
  • 17. Februar 2021: 2. Verwaltungsworkshop der Ämterübergreifenden Arbeitsgruppe (online)
  • 24. Februar 2021: 3. Sitzung des Begleitgremiums
  • 4. Mai 2021: 3. Verwaltungsworkshop der Ämterübergreifenden Arbeitsgruppe
  • 26. Mai 2021: 4. Sitzung des Begleitgremiums
  • 15. Juni 2021: 4. Verwaltungsworkshop der Ämterübergreifenden Arbeitsgruppe

Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, ein Konzept für Kinder- und Jugendbeteiligung mit den folgenden Vorgaben zu erarbeiten und umzusetzen:

  1. Die Kinder- und Jugendbeteiligung an Entscheidungsprozessen der Landeshauptstadt Kiel ist eine Querschnittsaufgabe, die in allen Bereichen von Verwaltung und Selbstverwaltung im Sinne von § 47f wahrzunehmen ist.
  2. Die Ämter sollen befähigt werden, Kinder- und Jugendbeteiligung qualitativ hochwertig und eigenverantwortlich durchzuführen, beziehungsweise zu beauftragen. Dafür müssen sowohl finanzielle als auch personelle Rahmenbedingungen geschaffen werden.
  3. Wann die Verwaltung Kinder und Jugendliche beteiligen muss, soll für alle Mitarbeiter*innen transparent und klar sein.
  4. Erarbeitung einer Handlungsleitlinie für Entscheidungen im oben genannten Sinne, an denen Jugendliche und Kinder zu beteiligen sind. Die Leitlinie soll für Kinder und Jugendliche verständlich sein.
  5. Das Kinder- und Jugendbüro soll in seiner Querschnittsfunktion bestärkt und ausgebaut werden.
  6. Es soll ein Begleitgremium mit einer Grundbesetzung aus Selbstverwaltung, Verwaltung und Jugendvertretung eingerichtet werden, das den Prozess begleiten soll und regelmäßig über die Umsetzung des Konzeptes berichtet.

 

Dieser Prozess soll durch

  • eine Evaluation des derzeitigen Standes von Beteiligungsverfahren innerhalb der Stadtverwaltung,
  • die Einrichtung einer ämterübergreifenden Arbeitsgruppe und
  • die Förderung einer sozialraumorientierten Einbindung verschiedener Institutionen und Akteur*innen, von Jugendeinrichtungen, Schulen, Vereinen und Initiativen

verstetigt werden.

 

Bis zur endgültigen Beschlussfassung durch die Ratsversammlung soll regelmäßig ein Bericht über den aktuellen Stand im Jugendhilfeausschuss erfolgen.

Die Federführung, also die Verantwortlichkeit bzw. Zuständigkeit für die Organisation des Prozesses, liegt beim Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendkommission. Das Konzept schließt ergänzend an die Leitlinie zur Bürgerbeteiligung an.

 Die auszuarbeitenden Ziele lassen sich wie folgt in zwei Bereiche aufteilen:

 

Wirkungsziele

  • Kinder- und Jugendbeteiligung wird an Entscheidungs-/Planungsprozessen der Landeshauptstadt Kiel im Sinne von §47 f. wahrgenommen.
  • Der Zeitpunkt der Beteiligung ist für alle Beteiligten klar und transparent.
  • Das Kinder- und Jugendbüro wird in seiner Querschnittsfunktion gestärkt und ausgebaut.

 

Handlungsziele

  • Es ist festgelegt, an welchen Entscheidungsprozessen Kinder und Jugendliche beteiligt werden müssen.
  • Es ist eindeutig formuliert und allen Beteiligten und Entscheidungstragenden klar und bewusst, wer, wie, warum, von wem, wann und woran beteiligt werden wird.
  • Alle Beteiligten sind befähigt worden, Kinder- und Jugendbeteiligungen qualitativ hochwertig durchführen zu können beziehungsweise zu beauftragen. Dafür werden sowohl finanzielle als auch personelle Rahmenbedingungen geschaffen worden sein.
  • Es liegt eine ausgearbeitete Handlungsleitlinie vor, die für Kinder- und Jugendliche verständlich formuliert ist und kinder- und jugendgerecht präsentiert wird.
  • Es ist ein Begleitgremium eingerichtet, bestehend aus Selbstverwaltung, Verwaltung und Jugendvertretungen.
  • Regelmäßige Berichterstattung über den aktuellen Stand im Jugendhilfeausschuss.

Für die Erarbeitung des Konzeptes wurde im Vorfeld der derzeitige Stand von Beteiligungsverfahren in der Landeshauptstadt Kiel evaluiert. Diese Evaluation wurde am 16. März 2020 in einem Vergabeverfahren ausgeschrieben. Von allen drei angeschriebenen Unternehmen lagen bis zum Ende der Frist am 17. April 2020 gültige Angebote vor. Den Zuschlag für die Durchführung der Evaluation erhielt das
kommunalpädagogische Institut KP_I aus Hamburg. 

 

Die Evaluation umfasste hierbei folgende Punkte:

Ermittlung der Ausgangslage

Grundsätzlich galt es vorab zu prüfen, welche Konzepte und Verfahren hinsichtlich der Kinder- und Jugendbeteiligung in der Kommune aktuell vorhanden sind und welche Bereiche der Verwaltung mit welchen Formen der Beteiligung in der Landeshauptstadt Kiel agieren. Dieser Teil der Evaluation ist bereits abgeschlossen.

Durchführung von Befragungen

Im zweiten Schritt wurden Beteiligte Ämter, Abteilungen und Personen qualitativ und quantitativ mittels Fragebögen und Interviews evaluiert. Zielgruppe waren hierbei verantwortliche, betroffene und beteiligte Akteur*innen der Stadtverwaltung und Kinder und Jugendliche als Zielgruppe selbst. Hierfür wurden 17 Befragungen von Menschen in der Verwaltung und 10 Gruppeninterviews mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt.

Evaluationsbericht

Die Ergebnisse der Evaluation wurden während des Evaluationsprozesses dokumentiert und am Ende in Form eines Abschlussberichtes schriftlich festgehalten. Der Zwischenbericht der Evaluation wurde am 6. November vom Hamburger kommunalpädagogischen Institut KP_I der Ämterübergreifenden Arbeitsgruppe präsentiert. Am 3. Februar 2021 soll der Evaluationsbericht dem Jugendhilfeausschuss vorgestellt werden.

 

Die Federführung obliegt dem Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen und wird vom Kinder- und Jugendbüro koordiniert. Während der Konzeptphase wird der Jugendhilfeausschuss regelmäßig über den Verlauf informiert werden.


Für die Erarbeitung der Leitlinien wurden zwei Gruppen eingerichtet:


Seit dem 25. August 2020 trifft sich in regelmäßigen Abständen das Begleitgremium .

Für den 6. November 2020 war das erste Treffen der ämterübergreifende Arbeitsgruppe geplant. Durch die aktuellen Corona-Maßnahmen fand das Treffen über die Plattform GoToMeeting statt. Es wurden dort die Zwischenergebnisse der Evaluation vorgestellt. Außerdem wurden über ein digitales Format Anregungen, Ideen und Hinweise zur gemeinsamen Erarbeitung der Leitlinie in der Ämterübergreifenden Arbeitsgruppe gesammelt.


Für die Erarbeitung des Konzepts und der Leitlinien wurde zur Unterstützung eine externe Prozessbegleitung beauftragt. Diese Prozessbegleitung übernehmen Berit Nissen vom Institut für Partizipatorische Prozesse und Trainings (IPPT) und Clemens Klikar von stadt.menschen.berlin.


Die Ämterübergreifende Arbeitsgruppe wird sich 2021 zur Erarbeitung der Leitlinien zu fünf Verwaltungs- und einem Abschlussworkshop treffen.

Das im Beschluss geforderte Begleitgremium hält einmal im Quartal eine öffentliche Sitzung und hat sich eine Geschäftsordnung gegeben.

Sitzungstermine:

25. August 2020: 1. Sitzung Protokoll

25. November 2020: 2. Sitzung Protokoll

Das aus neun Mitgliedern bestehende Gremium setzt sich aus drei Delegierten der Kinder- und Jugendkommission, zwei Delegierten aus dem Jungen Rat und vier Delegierten aus der Stadtverwaltung zusammen. Die Delegation der Verwaltung besteht aus Mitarbeitenden des Dezernats II und V, dem Amt 56.2 (Abteilung Kinder- und Jugendinteressen) und dem Bürgerbeteiligungsbüro (OB-P Bürgerbeteiligung). 

Leitung des Gremiums:

  • Amtsleitung des Amts für Kinder- und Jugendeinrichtungen, Kathrin Seifert

 Geschäftsführung:

  • Kinder- und Jugendbüro 56.2.2, Chrissi Agrianidou

 Mitglieder des Gremiums:

  • Abteilung Kinder- und Jugendinteressen 56.2.: Stefan Simon, Stellvertretung Nadja Chirkoch
  • Referat II: Tillmann Voigt, Stellvertretung Dr. Martina Baum 
  • Referat V: Johannes Albig, Stellvertretung Annette Wiese-Krukowska
  • OB-P.12 Bürgerbeteiligunsbüro: Bettina Koch, Stellvertretung Niklas Reinert
  • Junger Rat: Emma Döhler, Stellvertetung Yasin Söbütay
  • Junger Rat: Yasin Söbütay, Stellvertretung Emma Döhler
  • Kinder- und Jugendkommission: Viktor Lederer
  • Kinder- und Jugendkommission: Christian Osbar
  • Kinder- und Jugendkommission: Agathe Dziuk

Zu den Sitzungen können Gäste (zum Beispiel weitere Fachleute aus der Verwaltung) eingeladen werden, deren Anwesenheit und Mitberatung auf der Grundlage der Themenschwerpunkte der Sitzung erforderlich oder wünschenswert ist.

Der Prozess zur Erarbeitung der Leitlinie für Kinder- und Jugendbeteiligung wird durch Clemens Klikar von stadt.menschen.berlin und Berit Nissen vom Institut für Partizipatorische Prozesse und Trainings (IPPT) unterstützt. Dabei übernehmen sie die Moderation des Prozesses und begleiten die Entwicklung der Leitlinien und deren konkreter Umsetzung. Außerdem werden gemeinsam die Verwaltung, Jugendliche und die Politik mit eingebunden.

Berit Nissen ist Teil des Instituts für Partizipatorische Prozesse und Trainings (IPPT), welches in Berlin seinen Hauptsitzt hat. Nissen absolvierte nach ihrer Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin ein Diplom Studium der Sozialen Arbeit. Innerhalb ihres Studiums begann sie freiberuflich Projekte zu koordinieren, dieses betreibt sie seit 2005 hauptberuflich. Weiterhin arbeitet Nissen in Moderationen und Prozessbegleitungen, gibt Struktur- und Prozessberatung, sowie Ausbildung und Training.

Clemens Klikar begleitet den Prozess als Vertreter von stadt.menschen.berlin. Klikar ist Diplom Ingenieur in Architektur und hat langjährige Erfahrung in Verfahren zur Stadtentwicklung. Ferner hat Klikar 12 Jahre in kommunaler Planungs-, Projektsteuerungs- und Beteiligungsarbeit in Westdeutschland gearbeitet. 2010 gründete Klikar das Büro stadt.menschen.berlin, dieses arbeitet kooperativ, umsetzungsorientiert und fachübergreifend und bietet Unterstützung bei Prozessen der Stadtentwicklung.



Die fertige Leitlinie -
voraussichtlich Ende 2021

Das fertig ausgearbeitete Konzept wird der Ratsversammlung voraussichtlich am Ende des nächsten Jahres präsentiert und zur Abstimmung vorgelegt.

Anschließend wird die Leitlinie veröffentlicht und mit einer Abschlussveranstaltung als neuer Bestandteil der Kieler Stadtverwaltung gebührend in die Strukturen der Landeshauptstadt Kiel integriert.

Das Begleitgremium wird sich danach weiterhin regelmäßig treffen, um die Umsetzung der neuen Leitlinie für Kinder- und Jugendbeteiligung zu begleiten.

Zwei Kinder sind auf dem Bild, die ein Buch hochhalten
Kontakt

Landeshauptstadt Kiel
Amt für Kinder- und Jugendeinrichtungen
Kinder- und Jugendbüro

Rathausstraße 4
24103 Kiel

Chrissi Agrianidou
0431 901-3200


Geschäftszeiten
(in der Regel)
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