Kiel gewinnt den Deutschen Nach­haltig­keits­preis 2021

Die Landeshauptstadt Kiel hat den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Großstädte gewonnen. Im Finale setzte sich Kiel gegen München und Stuttgart durch.

Prämiert werden Kommunen, die sich dem Wandel mit einer umfassenden, nachhaltigen Stadtentwicklung stellen.

Grafik: Sieger Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2021

In der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel bleibt Nachhaltigkeit auch in stürmischen Zeiten Kompass für alle kommunalen Aktivitäten. Als Agenda 2030-Kommune und einzige deutsche Landeshauptstadt am Meer, sieht sich Kiel in besonderer Verantwortung zur Erreichung der Globalen Nachhaltigkeitsziele, vor allem in puncto Klima- und Meeresschutz.

So ist Kiel bereits seit 1996 Klimaschutzstadt, rief als erste deutsche Landeshauptstadt den Klimanotstand aus und will noch deutlich vor 2050 klimaneutral werden. Hierfür wurden gemäß des „Masterplan 100 % Klimaschutz" u.a. ein Gasheizkraftwerk mit einer COrErsparnis von 70 Prozent in Betrieb genommen sowie ein Energieeffizienznetzwerk für Unternehmen gegründet. Mit dem Projekt „Blue Port" verfolgt die norddeutsche Kommune das ehrgeizige Ziel, der ökologischste Hafen Europas zu werden. Als erste Zero Waste Stadt Deutschlands gelingt Kiel auf beeindruckende Weise die Verknüpfung von Klima-, Ressourcen- und Meeresschutz, z.B. mit dem hocheffizienten Klärwerk Bülk, einer mit 100 % Ökostrom betriebenen Landstromanlage sowie bewusstseinsbildenden Maßnahmen wie der Pfandbecher-Initiative „Kiel geht Mehrweg". Der Ausbau von Velo­ Premiumwegen und speziellen Wegesystemen für Fußgänger/innen, insbesondere „Kinderwegen" als bundesweites Vorzeigeprojekt, tragen zu einer klimagerechten und sicheren Verkehrsentwicklung bei.

Trotz anhaltend schwieriger Haushaltslage ist Kiel „Sicherer Hafen" für Geflüchtete und hat überdurchschnittlich viele junge Menschen mit Fluchthintergrund aufgenommen. Die Landeshauptstadt setzt auf lückenlose Präventionsketten u.a. durch die Jugendberufsagentur oder die „Talentschmiede", welche Schulunterbrechern neue Perspektiven eröffnen soll. Heilpädagogische Zusatzkräfte in Kindertagesstätten sind ein wesentlicher Baustein zur Bekämpfung der Folgen von Kinderarmut. Im „Camp 24/7" können Kinder unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern Segeln erlernen; die Kieler Sommeroper wird per Live-Stream in benachteiligte Stadtteile übertragen. Ein „wirkungsorientierter Haushalt" soll sicherstellen, dass Gelder dort eingesetzt werden, wo sie am nötigsten gebraucht werden und eine nachweisbare Wirkung erzielen. Die ausgeprägte Bürgerbeteiligung zeigt sich in formalisierten Partizipationsangeboten wie z.B. Ortsbeiräten in allen Stadtteilen, einem Kinder- und Jugendbeirat oder der Mitwirkung einer besonders aktiven Zivilgesellschaft. So arbeiten u.a. der Seniorenbeirat, die Leitstelle „Älter werden" und der Groschendreher e.V. Hand in Hand, um Altersarmut zu bekämpfen. Nicht erst durch die prozessorientierte Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie „Kiel 2042" - dem Jahr, in dem die Landeshauptstadt 800 Jahre alt wird - übernimmt die Kommune globale Verantwortung. So bestehen enge Kooperationen u.a. mit dem tansanischen Partner Moshi District beim Wiederaufbau einer kommunalen Baumschule zum Umweltzentrum sowie zur türkischen Stadt Hattay im syrisch­ türkischen Grenzgebiet, wo dank des großen bürgerschaftlichen Engagements der Kieler/innen eine Schule für syrische Flüchtlingskinder errichtet werden konnte.

Die Jury würdigt die Landeshauptstadt Kiel für ihr herausragendes Engagement u.a. in den Bereichen Klimaschutz, Ressourcenschonung und soziale Gerechtigkeit mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021.

 
 

Ende Juni hatte sich die Landeshauptstadt der Jury des DNP bei einer Videokonferenz im Ostseekai präsentiert. Dabei stellte Oberbürgermeister Kämpfer die Verbindung von globaler und lokaler Verantwortung in Zusammenhang mit Kiels Lage am Meer. Er hob die Bedeutung als Meeresschutzstadt und als Hafen zur Welt heraus und betonte auch die Zusammenarbeit mit den Partnerregionen Moshi District (Tansania) und Hatay (Türkei).

Ein wesentlicher Aspekt des Kieler Nachhaltigkeitsverständnisses ist zudem die rege Beteiligung der Bürger*innen an der Entwicklung der Stadt - sei es über formale Beiräte, Projektförderungen oder auch einen lebhaften informellen Austausch.

 
#DNP13
Der Preis

Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis ist die nationale Auszeichnung für Spitzenleistungen der Nachhaltigkeit in Wirtschaft, Kommunen und Forschung. Mit acht Wettbewerben und über 1.000 Bewerber*innen ist der Preis der größte seiner Art in Europa.

Die Auszeichnung wird vergeben von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen. Rahmen für die Verleihung ist der Deutsche Nachhaltigkeitstag in Düsseldorf, die meistbesuchte jährliche Kommunikationsplattform zu den Themen nachhaltiger Entwicklung.

Die Preisverleihung soll in Kiel stattfinden. Ein Datum dafür steht noch nicht fest. Die Sieger-Kommunen des DNP 2021 sind zudem während des Deutschen Nachhaltigkeitstages am 3. und 4. Dezember 2020 in Düsseldorf zu Gast und berichten dort über ihr Engagement.

 

 

Grafik mit Schrift Nominiert Deutscher Nachhaltigkeitspreis 2021
#DNP13

 

 


Das Preisgeld

Metallkugel mit tiefer runder Einfräsung, darin die Farben Schwarz-Rot-Gold

 

Die Auszeichnung ist mit je 30.000 Euro für Nachhaltigkeitsprojekte von der Allianz Umweltstiftung dotiert und wird von der Bertelsmann Stiftung im Rahmen des SDG-Portals unterstützt.

Ihr Preisgeld will die Landeshauptstadt Kiel nutzen, um sich noch stärker im Bereich „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (BNE) zu engagieren.

Schon jetzt kooperiert das Klimaschutzteam der Stadt eng mit der Förde-vhs und dem Ferienpassbüro. Sowohl das Klimaschutzteam als auch die Koordinierungsstelle kommunale Entwicklungspolitik bieten in Kooperation mit dem Programm „Bildung trifft Entwicklung“ kostenlose Workshops für Schulklassen rund um die Themen Klima- und Umweltschutz, globale Gerechtigkeit sowie die Sustainable Development Goals an.

Auch in der Stadtgesellschaft - zum Beispiel in der Wissenschaft, in Schulen oder in Stiftungen - gibt es viele BNE-Engagierte. Bisher besteht aber noch kein institutionalisierter Austausch. Das Preisgeld soll daher dafür eingesetzt werden, alle Akteur*innen zusammenzubringen und ein Kieler BNE-Netzwerk zu institutionalisieren.


Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister

„Für Kiel und die Welt: global denken, lokal durchstarten - das ist das Motto unseres Nachhaltigkeitsengagements. Der Preis ist eine tolle Anerkennung für das, was wir hier in den vergangenen Jahren angestoßen haben. Er ist aber vor allem ein Auftrag, dass wir uns weiterhin mit Mut, Klarsicht und Leidenschaft den großen Herausforderungen der Zukunft stellen.

Ich freue mich über alle Engagierten - Kieler*innen, Unternehmer*innen, Wissenschaftler*innen und Investor*innen - die dazu beitragen, unsere Stadt in puncto Nachhaltigkeit voranzubringen und unsere Vorbildfunktion weiter auszubauen. Es gibt noch viel zu tun!“

Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer
Stadtpräsident Hans-Werner Tovar
Hans-Werner Tovar, Stadtpräsident

„Ich freue mich riesig, dass wir gewonnen haben. Das gibt uns einen Extraschub Motivation, unsere Arbeit an und mit den Sustainable Development Goals (SDG) fortzusetzen.

Der Preis gehört aber auch den vielen Kieler*innen, die sich mit nachhaltigen Projekten, Start-ups und Zero-Waste-Initiativen für eine nachhaltige Zukunft engagieren.“